8. Aktuelle Nachrichten:

Aus "Land an der Miesa", September 1996:

Miröschau - ein tschechisches Srebrenica

Der tschechische private Fernsehsender TV NOVA berichtet in seiner Sendung vom 6.6.96 im Beitrag HROB (Das Grab) über die Aufdeckung von Massengräbern in Miröschau und hier an deutschen Militärpersonen verübten Verbrechen.
Im Sonderdruck "Miröschau/Mirosov östlich von Pilsen - ein tschechisches Todeslager nach dem Krieg", herausgegeben vom Heimatkreis Mies-Pilsen e.V. in Dinkelsbühl, wird über den gleichen Sachverhalt berichtet.


Aus: Jahrbuch Mies-Pilsen, Band 7, 1998:

Anführer der Miröschauer Partisanen identifiziert

Darin wird der Lebensweg des ehemaligen Gestapo-Konfidenten (Anm.: Polizeispitzel) und späteren selbsternannten "Partisanenkapitäns" František Foukal geschildert, der die Hauptschuld an den in den ersten Maitagen des Jahres 1945 in Miröschau an deutschen Gefangenen verübten Verbrechen trägt.



Aus "Land an der Miesa", Feber 1998, S. 60:

Zur tschechischen Zwangsarbeit "im Reich"

Auszüge aus sudetendeutschen Zeitungen

Die Tschechische Republik hat erreicht, daß mit den von Deutschland bereitgestellten 140 Millionen DM nun doch tschechische NS-Opfer individuell entschädigt werden. Zahlungen erwarten nun vor allem Zwangsarbeiter, wie z.B. die Angehörigen des Jahrganges 1924, der geschlossen zum Arbeitseinsatz nach Deutschland geholt wurde. Das Thema Zwangsarbeit erscheint in einem etwas anderen Licht, wenn man die Presse der Dreißiger Jahre, sogar noch nach Errichtung des Protektorats, studiert. Ein Arbeitsplatz "im Reich" war damals sehr beliebt, wie einige Zitate aus dem Pilsner Tagblatt und dem "Dorfboten" aus Budweis (Auflage 40.000, meistgelesene Zeitung des sudetendeutschen Landvolkes) belegen.
 

 
Erinnert sei an die deutschen Häftlinge und Zwangsarbeiter in der Nachkriegstschechei, die keinerlei Entschädigung erwarten können. Alleine aus dem Kreise Mies wurden etwa 1.500 Deutsche für längere Zeit ins Gefängnis gesperrt und etwa 13.000 ins Landesinnere zur Zwangsarbeit verschleppt. Die Bedingungen waren dabei derart, daß (wie das Jahrbuch Mies-Pilsen Nr. 4 besagt) etwa 230 davon ihr Leben verloren. Die Opfer der Stadt Pilsen liegen bei 470 Toten und sind darin nicht berücksichtigt.

Zu diesem Thema sei ferner auf den Bericht Nr. 11 unseres Lm. W. L. im sog. "Sudetendeutschen Weißbuch" (Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen) hingewiesen. Dort ist auf Seite 22 zu lesen:

"Bei einem Arbeitskommando lernte ich einen 21-jährigen Posten kennen, der ausnahmsweise freundlich war und mit welchem ich mich in tschechischer Sprache über verschiedene Dinge unterhalten konnte. Er sagte u.a., die jetzigen Machthaber in der CSR sollten sich ja nicht einbilden, sie könnten dasselbe Regime wieder errichten, wie es vor 1939 bestand. "Wir haben", so meinte er, "in Deutschland gesehen und selbst erhalten, was wir als Arbeiter zu fordern haben und was uns gegeben werden muß! Deshalb gehöre ich auch keiner der alten Parteien an, sondern bin Kommunist !"

Diese Aussage ist besonders wertvoll, weil sie von einem Angehörigen des Jahrganges 1924 stammt, der bekanntlich ausnahmslos für den Arbeitseinsatz "im Reich" dienstverpflichtet worden war. Der Wachposten behauptete nicht, dort im KZ gewesen zu sein. Er stellt die Arbeitsbedingungen vielmehr als vorbildlich für die Zukunft seines eigenen Landes hin. Als Protektoratsangehöriger gehörte er zum Reich und wurde genauso behandelt wie ein deutscher Arbeiter.
 


Aus "Land an der Miesa", April 1998, Seite 173:

Der Fürst zu Liechtenstein in Karlsruhe gescheitert!

Wie bekannt, haben die Tschechen 1945 auch den Besitz des Fürstenhauses von Liechtenstein enteignet. Darunter befanden sich wertvolle Gemälde. Eines davon gelangte vor drei Jahren als Leihgabe für eine Ausstellung nach Köln. Fürst Hans-Adam II klagte dort auf Herausgabe und scheiterten damit jetzt auch in Karlsruhe, wo das Bundesverfassungsgericht die Klage erst gar nicht zur Entscheidung annahm. In der Begründung (AZ.: 2 BvR 1981/97 ) wird vor allem auf Teil VI, Art. 3, Ziff. 1 und 3 des Überleitungsvertrages von 1954 verwiesen, der durch Notenwechsel vom September 1990 weitergilt und der einen "Klagausschluß" gegen Beschlagnahme "deutschen Auslands- und sonstigen Vermögens" beinhaltet. Das Gericht hat sich bei seiner Ablehnung nur darauf gestützt , daß vor deutschen Gerichten Klagen dieser Art unzulässig seien. Unerheblich sei es, ob der Fürst ein Deutscher ist oder nicht. Wesentlich sei nur die tschechische Auffassung darüber. Unbeachtet blieb auch, daß der Überleitungsvertrag nicht zu Lasten Nichtdeutscher gehen dürfe.

Die Haltung des Bundesverfassungsgerichtes übertrifft damit noch die Bedenken, die schon im Jänner-HB 1998 auf Seite 2 ("Unsere Rückschau auf das Jahr 1997") ausgedrückt wurden. Wenn das Klageverbot des Überleitungsvertrages selbst auf Nichtdeutsche angewandt wird, werden Sudetendeutsche vor deutschen Gerichten erst recht kein Gehör finden, zumal seit einem Jahr auch Ziffer IV der deutsch-tschechischen Erklärung gegen sie steht.

Anm.: Der o.g. Notenwechsel wurde im Bundesgesetzblatt 1990 II, S.1386 veröffentlicht. Von dort wird auf das BGBl 1955 II, S. 405 mit den weitergeltenden, über unserer Rechtsordnung stehenden Bestimmungen des Überleitungsvertrages verwiesen.



Aus: Jahrbuch Mies-Pilsen, Band 6, 1997:

Was das Pilsner Tagblatt vor 60 Jahren berichtete



Aus: "Land an der Miesa", Juni 1998, S. 280/282:

Prag: Amnestie für Rechtsextremisten

Dazu schreibt die Nürnberger Zeitung vom 26.2.1998: Eine Gruppe tschechischer Rechtsradikaler, die im Sommer 1994 eine deutsch-tschechische Gedenkfeier in Theresienstadt gewaltsam verhindert hat, geht straffrei aus.
Ein Kreisgericht in Tschechien hat das Verfahren eingestellt. Es berief sich in seinem Beschluß auf die von Präsident Václav Havel zu Monatsbeginn verkündete Amnestie für Bagatelldelikte. Am 31. Juli 1994 hatten 20 Männer, unter ihnen Abgeordnete der rechtsradikalen Republikanischen Partei Tschechiens, die Teilnehmer einer Gedenkfeier für die Opfer beider Weltkriege als "Mörder und Faschisten" beschimpft und zertraten Trauerkränze der deutschen und tschechischen Bürger.
 

Siedlung für Deutsche löst Empörung aus

Die Nürnberger Zeitung vom 5.3.1998 schreibt: Eine im Westen von Tschechien geplante Siedlung, in der auch Deutsche wohnen sollen, hat in der Region heftige Reaktionen ausgelöst. Wie der Bürgermeister von Velká Hled'sebe (ehem. Großsichdichfür), Vladimír Novotný mitteilte, sind mehrere Drohanrufe und anonyme Briefe im Rathaus eingegangen.
In dem Ort nahe Marienbad plant der 39jährige Unternehmer Carl Albrecht Waldstein, ein Nachfahre des berühmten Kaiserlichen Heerführers Wallenstein, einen Luxuskomplex mit 105 Wohnungen. Er rechnet mit einem starken Interesse in Deutschland, da der nächste tschechisch-deutsche Grenzübergang nur 30 km entfernt ist. Novotný meint: "Wenn Tschechen zum Arbeiten nach Deutschland fahren, macht es ihnen ja auch nichts. Wenn wir in die EU wollen, sollten wir uns daran gewöhnen, daß in Tschechien auch Ausländer wohnen."



Aus: Jahrbuch Mies-Pilsen, Band 7, 1998:

Das neue Mahnmal in Pilsen

Unter dem Symbol des "Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge" befindet sich seit September 1997 auf dem Zentralfriedhof ein Mahnmal für die Toten des letzten Krieges. Es besteht aus einem Steinkreuz und elf Bronzetafeln, sechs zur Linken, fünf zur Rechten. Am Sockel befindet sich eine zweisprachige Inschrift:

Auf diesem Friedhof ruhen Tote des Krieges 1939-1945, darunter 528 deutsche Soldaten. Gedenkt ihrer und der Opfer aller Kriege. Ihr Schicksal mahnt uns zur Versöhnung.

Die Namen der 528 Soldaten, die größtenteils vermutlich in Pilsner Lazaretten an ihren Verwundungen starben, sind auf den Tafeln links vom Kreuz verzeichnet. Die fünf Tafeln rechts widmete man dem Andenken von 663 Ziviltoten.



Aus: "Land an der Miesa", August 1998, S. 388 f.:

Das Städtische Zeughaus in Pilsen

Das Pilsner Zeughaus ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen Zeughäuser in Mitteleuropa. Seine Anfänge reichen bis zum Jahre 1363 zurück, als Kaiser Karl IV. begann, planmäßig in den königlichen Städten solche Zeughäuser für die Städtebereitschaft bauen zu lassen. Die gesamte Zeughaus-Ausstattung wurde am Pilsner Rathaus jahrhundertelang zur Erinnerung an die ruhmvolle militärische Geschichte Pilsens aufbewahrt. Im Jahre 1878 wurde die Sammlung auf Dauer in das Historische Museum verlegt und in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, dank des Direktors Ulrich Nikolai aus Erfurt/Thüringen zu ersten Mal gründliche restauriert und neu installiert.



Aus: "Land an der Miesa", November 1998, S. 527 f.:

Wie Geschichte manipuliert wird

Im Jahr 1995 gab Dr. Pavel Malý in Prag die Broschüre heraus: Vek ideologií (Das Zeitalter der Ideologien). Diese gliedert sich in die Einleitung und fünf Abschnitte. Aus der Einleitung: "Der Kreis der Erläuterungen in den Studien der einzelnen Kapitel ist offen und erhebt keinen Anspruch auf absolute Wahrheit..." Dem kann man nur zustimmen, denn die geschichtlichen Abläufe im Zusammenleben von Tschechen und Deutschen sind teils verzerrt und teils gänzlich unrichtig wiedergegeben. Das wäre nichts Neues. Neu - und auch wieder nicht so neu - ist die Vorstellung des Autors über die europäische Union. Er schreibt: "Die Europäische Union sollte weiter darin fortfahren, geschichtliche Irrtümer zu berichtigen. Sie sollte die Eigenständigkeit und Souveränität der Völker und Staaten im Rahmen europäischer wie weltweiter Zusammenarbeit verstärken. Der gegenwärtige tschechische Staat sollte zum Kern einer mitteleuropäischen Verwaltungseinheit werden, die bewohnt von Tschechen, Mährern, Lausitzer Sorben, Schlesiern und Slowaken, verbunden in der tschechischen nationalen Ideologie wie weiterer Attribute unseres Volkes. Dies würde ein sprachlich verwandtes Verwaltungsgebiet werden..."
Bemerkung: Eine solche "mitteleuropäische Verwaltungseinheit" unter tschechischer Führung strebte schon die tschechische Delegation auf der Friedenskonferenz nach Ende des ersten Weltkriegs bei der Festlegung der Grenzen des 1918 neuentstandenen Staatsgebildes der Tschechoslowakei an. Beneš verlangte auf der Friedenskonferenz die Ausbreitung tschechoslowakischen Staatsgebietes bis einschließlich der Lausitz mit ursprünglich sorbischer Bevölkerung.



Aus: "Land an der Miesa", Feber 1999, S. 57 f.

Mies - die silberne Stadt

Der tschechische Name der alten sudetendeutschen Stadt Mies ist Stribro, was deutsch Silber heißt und an die Bergbautradition erinnert. Außer Silber wurde seit dem 12. Jahrhundert auch Blei und Zinn abgebaut, bis im 15. Jahrhundert die Gruben erschöpft waren.
In Mies gab es vor dem Zweiten Weltkrieg unter 5349 Einwohnern nur 589 Tschechen. Die Stadt hatte eine deutsche Lehrerbildungsanstalt, ein Gymnasium und ein Erzbischöfliches Konvikt. Die Kreuzherrn hatten in Mies ebenso ein Kloster wie die Dominikaner.



Josef Weikert, Usingen, 21.02.1999

Untersucht tschechische Justiz Morde an Sudetendeutschen?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung brachte am 19.02.1999 unter der Überschrift "Tschechische Justiz untersucht Morde an Sudetendeutschen" folgenden Beitrag:
"PRAG, 18. Februar (epd). Die tschechische Justiz will sich zum ersten Mal mit einem von Tschechen verübten Massenmord an Sudetendeutschen kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges befassen. Die Staatsanwaltschaft im bayerischen Hof habe der tschechischen Polizei mehrere Zeugenaussagen und die Namen der Verantwortlichen für diese Tat übergeben, berichtete die Prager Tageszeitung "Mladá Fronta Dnes" am Donnerstag. Jetzt sollen Zeugen in der Tschechischen Republik ausfindig gemacht und das Massengrab der Opfer gesucht werden, sagte eine Polizeisprecherin. Dem Zeitungsbericht zufolge sollen Ende Mai 1945 etwa 30 Deutsche, darunter Frauen und Kinder, in dem heute nicht mehr bestehenden westböhmischen Dorf Tocov bei Karlsbad von der tschechischen Polizei erschossen worden sein. Grund sei die Suche nach Nazis gewesen, die sich in dem Dorf verschanzt hätten. Derartige Fälle von Massenmorden an Deutschen habe es nach dem Krieg Dutzende gegeben, berichtete der Historiker und Fachmann für deutsch-tschechische Beziehungen Chocholaty. So befinde sich in einer ehemaligen Sandgrube bei Taus (Domazlice) ein Massengrab von hundert erschossenen Deutschen. Die Verantwortlichen für diese Tat seien im Herbst 1945 sogar mit Orden geehrt worden. Der tschechische Staat habe bislang jedoch kein Interesse gehabt, sich mit diesen Fällen zu befassen."
Soweit die FAZ. Der Ort des Geschehens, Totzau, zählt mitsamt der Gymnasialstadt Duppau zu den 69 im Duppauer Gebirge verschwundenen Orten, die dem "Militärischen Übungsraum Hradiste" (Burgstadl) weichen mußten. Über den geschilderten Vorfall gibt es im Buch DOKUMENTE ZUR AUSTREIBUNG DER SUDETENDEUTSCHEN zwei Berichte. Dem Bericht Nr. 329 auf Seite 472 zufolge wurde am 25.5.45 nach dem Orts- und dem Kreisleiter von Kaaden gesucht. Bei der Durchsuchung eines Hauses feuerte der anwesende Neffe des Hausbesitzers auf die beiden kommunistischen Kriminalpolizisten. Einer der beiden wurde getötet, der andere verletzt. Dies löste das im Bericht ausführlich beschriebene Massaker aus. Der Bericht nennt die Namen der Opfer und zeigt in einer Skizze die Lage zweier Massengräber. Ergänzt werden diese Angaben im Bericht Nr. 104 auf Seite 217: "In dem Dorfe Totzau bei Kaaden wurden zu dieser Zeit Bürgermeister Schmidt, Heger Bartl mit zwei Söhnen und weitere Deutsche, zusammen angeblich 34 deutsche Männer, schuldlos ermordet, weil sie zwecks Bewachung ihrer bedrohten Heimat einige Gewehre hatten. Sie hatten jedoch bei der amerikanischen Besatzung in Karlsbad die nötige Bewilligung dazu eingeholt."
Daß in der Tschechischen Republik Morde an Sudetendeutschen untersucht werden, darf bezweifelt werden. Denn in der Tschechischen Republik ist das Gesetz Nr. 115/46 vom 8. Mai 1946 "Über die Rechtmäßigkeit der mit dem Kampfe um die Wiedererlangung der Freiheit der Tschechen und Slowaken zusammenhängenden Handlungen" weiterhin gültiger Bestandteil der tschechischen Rechtsordnung. § 1 dieses Gesetzes bestimmt unter anderem, daß "Eine Handlung die in der Zeit vom 30. September 1938 bis 28. Oktober 1945 vollbracht wurde und auf die gerechte Vergeltung der Taten der Okkupanten oder deren Helfershelfer abzielte, auch dann nicht rechtswidrig ist, wenn sie sonst laut geltenden Vorschriften strafbar wäre." Daher ist es verständlich, daß der tschechische Staat bisher kein Interesse gezeigt hat, sich mit diesen Fällen zu befassen. Man darf gespannt sein, ob die Tschechische Republik auch als Mitglied der EU ein Staat bleiben wird, in dem Massenmord im Rahmen des genannten Gesetzes auch künftig "nicht rechtswidrig" bleiben wird. Dafür bestehen indessen beste Aussichten, denn nach Ziffer IV der deutsch-tschechischen Erklärung vom 21.01.1997 "bleibt jede Seite ihrer Rechtsordnung verpflichtet und respektiert, daß die andere Seite eine andere Rechtsauffassung hat."



Josef Weikert, Usingen, 04.03.1999

Die tschechische Tageszeitung PLZENSKÝ DENÍK zu den Morden von Totzau

Ergänzend zu der Nachricht der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19.02.1999, daß die Tschechische Justiz Morde an Sudetendeutschen untersucht, schreibt die Tageszeitung PLZENSKÝ DENÍK vom 12.02.99:
PLZEN, KARLOVY VARY (vet,ag). Mit einem Nachkriegsmassenmord an Sudetendeutschen befaßt sich das Kreisuntersuchungsamt (KÚV) in Pilsen. Anstoß zu den Ermittlungen gab die deutsche staatliche Vertretung. Die Hinrichtung von etwa drei Dutzend Menschen trug sich angeblich während der Zeit des Umbruchs vom Mai zum Juni 1945 in der Gemeinde Totzau im Duppauer Gebirge des Karlsbader Umlands zu. "Auf Grundlage von Zeugenaussagen überprüfen wir drei verschiedene Versionen", führte der Vertreter des Direktors des Kreisuntersuchungsamtes, Frantisek Sedlák, gegenüber unserem Blatt an. "Einige behaupten, daß tschechoslowakische Soldaten geschossen haben, anderen zufolge handelte es sich um eine Polizeieinheit und weitere behaupten, daß es sich um bewaffnete Männer in verschiedenen Militäruniformen gehandelt habe." Die in Deutsch verfaßten Schriftsätze erhielten die Ermittler vor drei Wochen." Die Deutschen haben im Lauf von zwei Jahren etwa 30 Personen vernommen. Einige waren unmittelbar Beteiligte, allerdings im Kindesalter. Auch Ältere sagten aus, diese kannten den Vorfall aber nur vom Hörensagen. Die Fahndung nach Menschen, die in Böhmen gelebt haben und Zeugen des Massenmordes sein könnten, sollten mit Hilfe von Zeitdokumenten und Fotos, die das Kreisuntersuchungsamt vom Staatlichen Archiv in Pilsen angefordert hat, erfolgen. Nach den Worten von F. Sedlák wird all dies beschwerlich sein. "Die Einwohner des Duppauer Gebirges wurden nach dem Krieg nach Deutschland vertrieben und Totzau wurde dem Erdboden gleich gemacht. Heute ist dort ein militärischer Übungsraum. Es wird nicht leicht werden, die Lage der Gemeinde aufzufinden, auf deren Friedhof die Hingerichteten angeblich begraben sind", sagte F. Sedlák. Der Vorsitzende der Freunde der Duppauer Berge, Zdenek Holý, meint, daß eine Auffindung von tschechischen Zeugen nicht möglich sein wird. "Wir haben nach jahrelanger Fahndung in Böhmen nur eine einzige Frau gefunden, die im Duppauer Gebiet kurz vor dem Krieg gewohnt hat. Damals gab es nur 0,5% Tschechen hier, die 1938 die Deutschen vertrieben haben", teilte er mit.



Aus: "Land an der Miesa", August 1999, S. 361

Aufruf an alle Landsleute!

Wie Sie aus dem Heimatbrief wissen, habe ich im Namen des Heimatkreises Mies-Pilsen e.V. bei der Staatsanwaltschaft Hof Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Ermordung zahlreicher unschuldiger Zivilpersonen und gefangener deutscher Wehrmachtsangehöriger im tschechischen Konzentrationslager Miröschau sowie im Bory-Gefängnis in Pilsen in der unmittelbaren Nachkriegszeit erstattet. Diese Anzeige wird bearbeitet und eine erste Einvernahme ist erfolgt. Meinerseits wurde der Staatsanwaltschaft schriftliches Beweismaterial mit Fotos sowie Filmmaterial, welches die Ermordung deutscher Kriegsgefangener beweist, zur Verfügung gestellt.

Wir suchen jetzt weitere Zeitzeugen, die über die Zustände in Pilsen und Miröschau aussagen können. Nach beharrlicher Vorarbeit konnte nun ein erster Durchbruch erzielt werden und es kommt nun ganz auf uns an, ob wir bereit sind, unsere Kenntnisse an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben. Den Ermordeten sind wir dies auf alle Fälle schuldig. Bitte setzen Sie sich in Verbindung, wenn Sie eine sachdienliche Aussage machen können:

Dr. Hans Mirtes, Eggergasse 12, 84160 Frontenhausen, Tel. 08732/2680



Josef Weikert, Usingen, 10.09.1999

Ermittlungen wegen eines Massakers in Totzau vor dem Aus

Als im Februar 1999 Zeitungsmeldungen mit der Nachricht überraschten: "Tschechische Justiz untersucht Morde an Sudetendeutschen" (FAZ vom 19.2.99) kam Hoffnung auf, daß die Tschechische Republik an der Schwelle in die EU sich auf allgemeingültige Rechtsnormen besinnen und die nach Kriegsende an Sudetendeutschen begangenen Exzesse rechtlich aufarbeiten werde. Doch wer glauben mochte, daß die tschechische Seite mit der Vergangenheitsbewältigung ihrer Nachkriegsgeschichte beginnen werde, sieht sich nunmehr in dieser Hoffnung getäuscht. Dazu schrieb die FAZ in ihrer Mittwochausgabe am 8.9.99 :

PRAG, 7. September (epd). Die Ermittlungen der tschechischen Staatsanwaltschaft wegen eines Massakers Ende Mai 1945 an Sudetendeutschen im westböhmischen Dorf Totzau (Tocov) sollen eingestellt werden. Wie die Zeitung "Mladá Fronta Dnes" am Dienstag berichtete, wurden seit Beginn der Ermittlungen in der Tschechischen Republik keine Zeugen gefunden. Die zehn Zeugenaussagen aus Deutschland erschienen den tschechischen Ermittlern zu stark "emotional gefärbt" und "nicht immer überzeugend". Zudem drohe den eventuell noch lebenden Tätern keine Strafe mehr, da die Taten verjährt seien. Die Ermittlungen in der Tschechischen Republik waren auf Antrag der Staatsanwaltschaft im bayerischen Hof im Januar 1999 aufgenommen worden. - Soweit die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

In der Sache geht es dabei weniger um Strafverfolgung, Verjährung oder Amnestie als vielmehr um die Forderung, begangene Straftaten endlich beim Namen zu nennen und so den Opfern dieser Exzesse Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Eigentlich erscheinen die halbherzig geführten Ermittlungen der tschechischen Behörden im Fall Totzau reine Augenwischerei, denn die an den Sudetendeutschen nach Kriegsende begangenen Exzesse sind nach geltender tschechischer Rechtsordnung ohnehin "nicht rechtswidrig" und sind als "gerechte Vergeltung" bewertet, wie ein im Jahr 1946 rückwirkend erlassenes tschechoslowakisches Gesetz (Nr. 115 v .8.5.46), das in der Tschechischen Republik weitergilt, bestimmt hat.



Entwicklung der Einwohnerzahlen Pilsens
 

Jahr Gesamtzahl Anmerkungen Tschechen Deutsche Sonstige
1820 7570        
1851 11.486        
1870 26.645        
1880 38.883 einschl. Vorortgemeinden 31.600 6827 356
1890 50.221 " 41.593 8071 557
1900 68.079 " 58.190 9174 715
1910 80.343 " 69.779 10.036 523
1926 110.653        
1930     105.721 6782  
1940     129.683 rd. 10.000  
1966 171.549        
1996 170.449 rückläufig      

Von 1942 bis 1976 fanden insgesamt 19 Eingemeindungen statt. Das Flächenausmaß der Stadt vergrößerte sich von 44,26 qkm im Jahr 1926 auf 117,4 qkm im Jahr 1992.

 

Bald werden hier weitere aktuelle Nachrichten zu lesen sein!