Die Tschechische Republik als Risikofaktor für Deutschland und den Westen

VON Dr. HANS MIRTES

Die westlichen Grenzgebiete der Tschechischen Republik – Teile des ehemaligen Egerlandes – bieten in weiten Teilen ein Bild der Zerstörung und Trostlosigkeit. Zu Ruinen verfallene Bauernhöfe, Kirchen und Adelssitze. Von vielen Dörfern sind nur noch die Grundmauern übrig geblieben, sie sind zu Wüstungen verfallen, wo sich die Natur ungezwungen ausbreiten kann. Da und dort ein ehemaliges Bauernhaus, das zu einem Wochenendsitz ausgebaut wurde und nur in den Sommermonaten und an Wochenenden bevölkert ist. Die weitgestreckten Kolchosgebäude an den Rändern der Dörfer bilden einen Fremdkörper, aber auch sie befinden sich in einem heruntergewirtschafteten Zustand. Viele von ihnen stehen leer, die Landwirtschaft hat auch in der Tschechischen Republik an Bedeutung verloren.

Nur wenige, meist ältere Bewohner, führen in den Dörfern ein klägliches Leben. In den kleineren Weilern da und dort Zigeuner mit einer großen Kinderschar. Die Bevölkerung konzentriert sich in Kleinstädten, die aber ebenso einen wenig einladenden Eindruck vermitteln. Die tschechischen Bürgermeister beklagen die starke Abwanderung in das Innere Böhmens. Nur wo sich westliche Industriebetriebe angesiedelt haben, wie in Mies/Stribro die Firma Siemens, ist wirtschaftlicher Aufschwung spürbar. An den Stadträndern entstehen zuweilen neue Siedlungen mit Ein- und Zweifamilienhäusern.

Bis zum Ende des II. Weltkrieges war dieses Land von Deutschen bewohnt. Diese wurden in den Jahren 1945/46 nach Ende des II. Weltkrieges beraubt, gedemütigt, geschlagen, ermordet, zur Zwangsarbeit verschleppt oder vertrieben. Von 3,5 Millionen Sudetendeutschen waren 241.000 Vertreibungsopfer zu beklagen. Sie wurden an Wegen und Waldrändern oder in Massengräbern verscharrt. Ihr Sterben war einsam, mitleidlos ohne Trost und christliches Begräbnis.

In der Tschechoslowakei wurden nach dem Krieg 2.061 Arbeits-, Straf- und Internierungslager unterhalten. Die Grausamkeiten in diesen Lagern waren unbeschreiblich.[1]) Im Bory-Gefängnis in Pilsen wurden allein aus dem Kreis Mies und der Stadt Pilsen über 700 Deutsche gequält und ermordet; diese sind namentlich erfaßt.[2]) Die tatsächliche Zahl der Ermordeten dürfte weit höher liegen. Insgesamt rechnet man mit 2.000 Toten in den Gefängnissen Pilsens nach dem Mai 1945.